Jürgen von der Lippe.


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Alfred Albino (Das schwarze Schaf)

2-1978 NICHT AM BÄR PACKEN !
7-1981 STAR MAGAZIN
T: Hans-Jürgen Dohrenkamp; M: Harald Wolff-Berg
V: Sinus Musikverlag Hans Ulrich Weigel GmbH



Neulich ging ich in die Kirche, es gab ein Hochamt mit Gesang,
bloß der Pfarrer erschien mir nicht ganz echt.
Er erzählte nämlich statt einer Predigt Witze,
und die waren weiß Gott nicht schlecht.
Er sah überhaupt ganz irre aus, wie Johnny Winter, rote Augen, weißes Haar.
Und dann holte er auch noch eine E-Gitarre raus
und sang ein Lied aus Jesus Christ Superstar.
Dann zum Mitsingen „Sailing“ und „All you need is love“
und auch was Deutsches: „Jesus alter Freund“.
Und die ganze Gemeinde flippte langsam aus
und hier und da kreiste ein Joint.
Find´ ich echt besser als Weihrauch, hab ich so gedacht,
aber ob der Mann das eigentlich alles darf?
Und ich fragte meinen Nachbarn: „Du, wer ist denn der Kaplan?“
Und er sagte: „Alfred Albino, das schwarze Schaf,
bringt den Betrieb in Schwung, macht hier sonntags Götterdämmerung.“
Ich traf ihn in der Kneipe, und dann hat der schwarze Mann
mir Schwänke aus seinem Leben erzählt. Er hielt nicht hinterm Berge damit,
dass er nicht sehr viel von geistlichen Würdenträgern hält.
„Die meisten dieser Leute haben schon ´n weichen Keks,
sie sind nicht böswillig, bloß vergreist. Jeder Mensch hat einen Vogel,
doch so’n Bischof ist der Ansicht, seiner, das wär der Heil’ge Geist.
Kardinäle sind wie Spargel, um ein Bild zu verwenden,
mit ihren lila Käppchen auf dem Grind;
und wenn Spargelstangen oben violett werden,
weiß man, dass sie völlig ungenießbar sind.
Und mit solchen Leuten krieg ich immer auf der Stelle Krach.
Na ja, ich war als Kind schon nicht sehr brav,
aber seit ich die Haushälterin vom Bischof mal Zölibatesse genannt hab,
bin ich Alfred Albino, das schwarze Schaf,
bring den Betrieb in Schwung,
mach hier sonntags Götterdämmerung.“
Ich fragte weiter: „Sag mal, Alfred, ist das nicht ein bisschen schwierig,
Geistliche reden doch beruflich viel Stuss?“
Er sagte: „Nö, statt zu sagen, was man alles glauben soll,
sag ich bloß, was man nicht mehr glauben muss.
Zum Beispiel letztens ging’s um Kirchensteuer, einer hat gefragt:
„Ich denk´, der Herr hat uns seinen Sohn geschenkt?“
„Ganz recht mein Junge“, sagte ich, „aber die Sache wird doch klar,
wenn man an den Zwischenhandel denkt.
Und das alte Rätsel Dreifaltigkeit zu erklären, dauert auch nicht lang:
Ich sag immer, Kinder, sag ich, da gibt’s verschiedenes,
z. B. Wein, Weib und Gesang.“
Ich war beeindruckt und dachte, Schockschwerenot,
unsere Kirche ist ja richtig wandelbar.
Doch da nahm Alfred die weiße Perücke ab:
„Alfred, Du hast ja Hörner! Sag mal, was hast Du denn für glühende Augen?
Ih, und der Klumpfuß! Und was hast Du denn für fiese Ohren?
Mein Gott, was hast Du denn da für einen langen Schwanz?
Alfred, was willst Du mit dem Dreizack, sprich? Alfred, mir graut vor Dir!
Lass das! Ih, geh weg! Nich! Nich pieken! Aua, das tut doch weh!
Alfred. Hörst Du auf! Nein, nicht, Alfred; nein, nein, o nein, nicht, ... Hilfe!“


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