Jürgen von der Lippe.


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Abschiedsbrief einer Arzthelferin

9-1983 EIN MANN SHOW
12-1988 teuflisch gut! EIN MANN SHOW (Doppel-LP)
T+M: Hans-Jürgen Dohrenkamp; V: Prima Musikverlag GmbH



Abschiedsbrief einer Arzthelferin:
Sehr geehrter Herr Doktor,
ich kann mir zwar eine Zukunft ohne Sie nicht vorstellen,
bin aber fest entschlossen, es ab nächsten 1. wenigstens zu versuchen.
Arzthelferin kann nicht heißen, dass man immer nur dem Arzt Geld pumpt
oder ihn in Schutz nimmt. Wissen Sie eigentlich, wie die Leute über Sie reden?
„Wer einen Arzt wie den hat, der braucht keine Feinde mehr.“
Warum müssen Sie auch immer so grob sein?
Sicherlich ist Frau Süßmilch keine Schönheit, aber das ist doch kein
Grund zu sagen: „Legen Sie sich mal hin. Nein, nein, aufs Gesicht bitte.“
Und dann Ihre konservative Einstellung.
Wie oft hab´ ich gesagt: „Herr Doktor, es gibt jetzt Einmalspritzen!“
Was haben Sie gesagt?
„Schwester Hedwig, mit dieser Nadel hat schon mein Vater gespritzt ...
und mein Großvater ... und der hat sie von seinem Professor
verliehen bekommen - im Krieg. Das ist eine Ehrennadel!“
Aber das ist alles noch nicht so schlimm, aber dass Sie mich so angeschrieen
haben, als ich letztens reinkam, wie Sie gerade Frl. Hermeskeil abgehorcht
haben, nur weil ich gesagt hab, Herr Doktor, nehmen Sie doch das Stethoskop.
Das war nicht in Ordnung.
Ich lass mich nicht länger demütigen, nicht nach 25 Jahren.
Jetzt können Sie mal sehen, wo Sie bleiben mit diesem jungen Ding,
was Sie unbedingt einstellen mussten. Was nicht mal weiß, wie rum man ein
Fieberthermometer rein steckt. Zu der können Sie bestimmt nicht 3x am Tag
sagen: „Schwester, machen Sie doch mal grad ´ne Bluttransfusion, Sie haben
doch Blutgruppe Null.“ Ich mache Ihnen keinen Vorwurf, Herr Doktor.
Möge Äskulap den Stab über Sie brechen.


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