Jürgen von der Lippe.


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Rotkäppchen

9-1983 EIN MANN SHOW
12-1988 teuflisch gut! EIN MANN SHOW (Doppel-LP)
84-1983 DU BIST SO TOLL
T+M: Hans-Jürgen Dohrenkamp; V: Prima Musikverlag GmbH



Ich habe eine Märchenoper geschrieben.
Und zwar gibt es ja nur 2 gute Opern- und Filmmusikschreiber;
der andere ist Enrico Morricone. Und er, der ist, äh, er hat schon verschiedene
Dinge von mir geklaut, und nun habe ich natürlich lange Zeit nach einem
Märchen gesucht, was dann auch zu dieser Art Musik passt,
also irgendwo zwischen Karl May und Grzimek, das ist Western-Feeling,
nich, Serengeti, wilde Tiere, und da hab ich überlegt, soll ich Hänsel und Gretel
nehmen, weil das diesen wahnsinnig guten Schluss hat:
Nachdem Gretel die böse Hexe in den Backofen gestoßen hatte,
lief sie hocherfreut zu Hänsel und öffnete sein Ställchen.
Das ist ja sehr hübsch, passt aber überhaupt nicht zu der Musik.
Und dann hab ich gefunden, das Einzige, was zu der Musik passt,
ist Rotkäppchen, und das ist es dann geworden:


Rotkäppchen wollte die Oma besuchen,
im Körbchen hatte sie Fleischwurst, Starkbier und Kuchen.
Sie bricht durchs dickste Fichtendickicht,
dicke Finken picken tüchtig.
(Das können Sie mal angetrunken ganz schnell nachsprechen!)

Da hält ein Auto, es ist ein Golf,
und ihm entsteigt – der böse Wolf
mit den Worten: „Den Tag kannst du getrost vergessen,
jetzt wirst du erst mal aufgefressen!“

Rotkäppchen fleht: „Du lieber Schakal,
lieb mich vorher noch ein letztes Mal!“

Was dann geschah, hat nur der Wald geschaut
und auch die dicken Finken im Geäst.
Der Wolf hat nach dem dritten Mal schon abgebaut,
weil die Natur sich nun mal niemals zwingen lässt.

Und wie er tot am Boden liegt, tritt aus des Waldes Mitte
der Förster und sagt : „Rotkäppchen, nun mach aber mal halblang;
das ist diese Woche schon der Dritte!“


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