Jürgen von der Lippe.


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Morgen, Tomorrow, Demain (2)

5-1980 Zwischen allen Stühlen
T+M: Hans-Jürgen Dohrenkamp; V: Liedermacher Musikverlag, Berlin



Man ist an mich herangetreten, auch von Seiten des Fernsehens.
Na ja, is nicht wahr. Ich habe aus meinem Freundeskreis die Anregung erhalten,
ich möchte doch nicht immer solche negativen Programmbeiträge machen.
Nich, immer wird irgend jemand bespöttelt oder schlecht gemacht
oder so etwas, hat meine Mutter gesagt, und da hat sie ja auch Recht,
und sie fuhr dann fort, ob ich nicht so etwas wie Heino machen könnte. (...)
Nein, ich bin dann in mich gegangen und habe nun auch ein positives Lied für
die Mühseligen und Beladenen unter uns, und das ist ein Adagio Faksimile für
Klavier, Bass, Whisky Soda und Zigarette, das hab ich mir, ich hab auch extra
die Erlaubnis eingeholt bei den Feuerwehrmännern, weil, das hab ich mir von
den französischen Interpreten abgeguckt, Dean Martin und so, nich, weil ich das
sehr lässig finde, und das passt ja zu den Chansons offensichtlich besonders
gut, und es ist eine, es ist rechtzeitig zur Europawahl fertig geworden noch,
und es ist dreisprachig und trägt den Titel: Morgen, Tomorrow, Demain.
Demain. Und es geht ungefähr so:


Ein dünner kleiner Seemann hat es schwer,
„Leichtmatrose“ nennt ihn die ganze Crew.
Er sitzt den ganzen Tag im Mastkorb rum
und nimmt trotzdem kein Kilo zu.
Oder der Vater, der sein Baby auf Wachstuch legt,
und denkt, nun wird es schneller groß,
oder der alte Zahnarzt, der keine Zähne mehr hat,
er fragt sich, wat mach ick bloß, sagt er:


Morgen, Tomorrow, Demain
wird es schon irgendwie weitergehn,
Morgen, Tomorrow, Demain
werden wir weitersehn.


Ein Minister denkt oft, nun ist er wer,
und dann schickt man ihn einfach in Pension.
Keine Frauen, kein Skandal, kein Beratervertrag,
in seinem Amt gab’s nicht mal ´nen Spion.
Aber der alte Schlagertexter, der ist am ärmsten dran.
Mein Gott, den ham se vielleicht geleimt.
Denn nach so vielen Hits hat ihm jetzt ein Freund gesagt,
dass sich Herz auf Schmalz gar nicht reimt. Kopf hoch, Baby!


Morgen, Tomorrow, Demain
wird es schon irgendwie weitergehn,
Morgen, Tomorrow, Demain
werden wir weitersehn.


Ihr alle, denen es schlecht geht, glaubt mir eins:
Es kommt immer nur auf den Standpunkt an.
Der Pessimist sagt: Schlimmer kann es nun nicht mehr werden.
Der Optimist sagt: He he, doch, es kann!


Morgen, Tomorrow, Demain
wird es schon irgendwie weitergehn,
Morgen, Tomorrow, Demain
werden wir weitersehn.


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