Jürgen von der Lippe.


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Marketing

1-1977 Sing was Süsses
T+M: Hans-Jürgen Dohrenkamp
V: Sinus Musikverlag Hans Ulrich Weigel GmbH



Fritsche Feilscher galt als Verkaufsgenie,
weil er für jeden Ramsch einen Käufer fand.
Nicht nur der Reibach war ihm wichtig, sondern vor allem das Wie,
wodurch er Reingewinn mit Lustgewinn verband.
Und er sagte nach jedem geglückten Ding:
„Siehste, det is Marketing!“


Er verkaufte Leselampen an Analphabeten
und Heizstrahler in den Sudan,
kalorienarme Kost an Schwerathleten,
an Haremswächter die Pille für den Mann.
Und der Queen drehte er ´nen Rasierpinsel an,
doch dann musste er aus England fliehn,
weil er das Verkaufsgespräch mit dem alten Spruch begann:
„God schäve the Queen!“


Ja, er war ein starker Typ, der stets aufs Ganze ging
– ja, das muss man auch beim Marketing!
Und dann geschah’s, dass Fritze Feilscher einem Schlaganfall erlag,
den ein cholerischer Kunde bekam.
Mit anderen Worten, er kriegte derart Prügel an dem Tag,
dass es ihm restlos den Atem nahm.
Und sein letztes Wort war, als er sich den letzten Schwinger fing:
„Oh Mann, scheiß Marketing!“


Doch Fritze Feilscher hatte testamentarisch verfügt,
dass für den Fall, dass ihm so etwas passiert,
seinen Körper die Universitätsklinik kriegt;
das Geld hatte er im Voraus kassiert.
Doch als die Jungs im weißen Kittel ihn zerlegen wollten,
da ham sie sich die Haare gerauft,
denn es waren viel weniger Einzelteile, als es eigentlich sein sollten,
Fritze hatte einiges an die Organbank verkauft.


Sein Nutzwert war also herzlich gering
– klassischer Fall von Marketing.
Doch am Ende war das dann alles doch nicht so wild,
Fritze wurde anderswo verscheuert.
Man hat ihn aus Armeebeständen aufgefüllt
und vollkommen runderneuert.
Moral: Man achte Mediziner nicht gering,
die verstehn zumindest was vom Marketing.


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