Jürgen von der Lippe.


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Heinrich der Auerhahn

1-1977 Sing was Süsses
6-1980 Aus dem Gröbsten raus !
T+M: Hans-Jürgen Dohrenkamp
V: Sinus Musikverlag Hans Ulrich Weigel GmbH



Fallera, fallera, Weidmannsheil, der Wald steht still und schweiget ...

Der alte Förster Hubert wurde 60. Noch eine Stunde trennte ihn von der
Pension. „Nur einen Wunsch noch hab ich, eins noch“, rief er, „möcht ich:
Endlich dem ollen Auerhahn, der mir immer auf die Hühner geht und dabei die
ganze Kartoffelrabatte kaputt trampelt, einen verplätten! Komm, mein Sohn!“
Und gehorsam wie einst Isaak nahm der Kleine den Bärentöter und das
Jagdhorn aus’m Schrank, die Mutter in die Arme und den Bernhardiner
an die Seite, worauf dieser sagte: „Wuff!“ und jene: „Weidmannsdank!“

Doch dann kam’s über ihr – feucht wurde die Pupille.
Dat sind die Dinger, an die der Weidmann „Lichter“ sagt.
Sie sprach zu sich: „Wozu nehm ich eigentlich die Pille?
Oh, its hard to be a woman, wenn der Kerl nachts immer jagt.“
Und mit dem Auerhahn hat’s folgende Bewandtnis:
Man nannte ihn den Killer im Revier.
Noch zu erwähnen bleibt, weil es wohl nicht bekannt ist,
das Vieh hieß Heinrich, erstaunlich für ein Tier.

Und wie der alte Förster Hubert so mit Ernst Huberti , seinem Sohn, und
Bernhard, dem Bernhardiner, durch Finsternis und Unterholz brach, da
gelangten sie auf einmal auf eine vom bleichen Mondlicht übergossene
Lichtung. Und mitten auf der Lichtung, wie gesagt im bleichen Mondlicht, da lag
ein wunderschönes unbekleidetes junges Mädchen schlafend auf’m Rücken.
Und geistesgegenwärtig hielt der alte Förster Hubert seinem Sohn Ernst Huberti und Bernhard, dem Bernhardiner, die Augen zu, trat an das schlafende Mädchen heran, zog seinen alten grünen Jägerhut mit dem ausgedienten Rasierpinsel und bedeckte damit, so notdürftig es eben ging, das schlafende Mädchen. Und dann ging er mit Kind und Hund und Bärentöter wieder dahin,
wo er hergekommen war.

Etwas später kam eine alte Frau, die um diese Zeit immer Pilze sammelte,
an derselben Stelle vorbei, und sie sah das schlafende Mädchen mit dem Jägerhut und sprach zu sich selber: „Ja so etwas, ja so etwas.
Wir haben das ja schon ganz schön toll getrieben damals, aber so etwas:
Von dem Kerl ist ja nur noch der Hut zu sehen!“
Und wenn sich jetzt einer fragt, was das ganze soll,
dann kann ich dem nur sagen:
Man sieht am Lied vom Auerhahn, wie doll man sich verhauen kann!


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